Soforthilfe bei müden Chören

Die Notfall-Tasche, wenn's drauf ankommt

Inhalt

Meisterchorprüfung 2013

Ich bin mit Chorios Dörentrup und canto allegro Lügde von Lippe nach Siegen gekommen – mit Bus-Panne und großer Aufregung, dass wir zu spät oder gar nicht ankommen würden. Der erste Chor ist dann aber just in time: Einsingen, Sound-Check, Auftritt. Alles super.

Die Katastrophe!

Danach ist der zweite Chor dran. Der hatte jetzt eine Stunde warten müssen. Nach der Bus-Aufregung. Da stehen die Menschen vor mir, die einerseits total aufgeregt sind, weil sie natürlich genau wie ich Manschetten vor der Prüfung haben, die aber andererseits tranig und müde wirken. Hallo?!? Werdet wach! Wir haben gleich die Prüfung! Das Einsingen ist zäh. Überall wird gegähnt. Egal, was ich sage oder tue, es hilft nichts.

Hallo!!! Wach!!!

Wer schon einmal in einer solchen Situation war, dass gleich alle zu 100% da sein müssen – vor einem Auftritt, vor einer Prüfung, nach dem Mittagessen beim Probenwochenende, nach einer langen Busfahrt, nach langer Wartezeit -, der weiß, wie hilfreich eine „Hallo! Wach!!!“- Übung sein kann. Insbesondere bei starkem Stress können ein paar Minuten Lachen und das Im-Hier-und-Jetzt-Sein die Rettung bedeuten.

„Hossa!“ Meine Nummer 1

Eine wunderbare Übung zum Wachwerden von Panda van Proosdij:

  • Eine Person ist Impulsgeber, alle anderen können sie sehen und haben genügend Platz um sich herum.
  • Der Impulsgeber ruft ein energiegeladenes „Hossa!“ und klatscht dabei einmal in die Hände. Alle anderen klatschen und rufen das „Hossa!“ gleichzeitig mit dem Impulsgeber.
  • Wenn das gut klappt, kommt ein minimales oder größeres Auf-den-Füßen-nach-vorn-rutschen hinzu – gleichzeitig mit dem Klatschen und dem Rufen.
  • Die Impulsgeberin entscheidet spontan und ohne Absprache, ob sie nur ein oder mehrere „Hossa!“ hintereinander ruft. Alle anderen sollen alle „Hossa!“ immer gleichzeitig mitmachen. Das führt erfahrungsgemäß zu leichten Gleichgewichtsproblemen und „Auffahrunfällen“ – sehr befreiend und erfrischend 😊
  • Die Impulsgeber können gerne wechseln. Das gibt ihnen und den Nachbarn noch eine andere Energie.

„Hossa!“ hat uns die Meisterchor-Prüfung gerettet! Alle waren nach wenigen Minuten wieder voll da.

Die 1-2-3-Achtsamkeitsübung

Das fordert alle: Konzentration im Hier und Jetzt

  • Es stehen sich zwei Personen gegenüber. Person A sagt „Eins“, B sagt „Zwei“, A sagt „Drei“, B fängt wieder mit „Eins“ an, A sagt „zwei“, B sagt „Drei“ – daraufhin fängt A wieder mit „Eins“ an, B sagt „zwei“ usw.
  • Variante1: Als nächstes wird die „Eins“ durch eine Bewegung ersetzt, z.B. durch Klatschen – ohne, dass „Eins“ gesagt wird. Das könnt ihr gemeinsam festlegen oder die einzelnen Paare selbst bestimmen lassen. Ein paar Durchgänge werden zeigen, wie sehr sich alle konzentrieren müssen. Danach die „Zwei“ und später die „Drei“ durch jeweils andere Bewegungen.
  • Variante 2: Der Chorleiter gibt ein sehr langsames Metrum vor, das für alle Paare gilt. Alle Paare beginnen gleichzeitig und versuchen, im Metrum zu bleiben. Wenn das einigermaßen klappt, kann man das Tempo erhöhen. Gerne auch in Kombination mit Variante 1.
  • Erfahrungsgemäß funktioniert die Variante 1 bei allen Chören relativ gut. Variante 2 ist schon sehr anspruchsvoll.

Impulskreis „Wachsmaske-Whiskymixer-Messwechsel“

Heiter scheitern! Lachen weckt müde Geister

  • Die Gruppe steht im Kreis und fasst sich bei den Händen. Die Spielleiterin gibt einen Händedruck nach rechts und sagt dabei „Wachsmaske“. Der rechte Nachbar gibt (möglichst schnell – je nach Leistungsfähigkeit des Chores) diesen Impuls mit dem Wort „Wachsmaske“ nach rechts weiter. Immer wenn der Impuls nach rechts geht, wird „Wachsmaske“ gesagt.
  • Jetzt gibt die Spielleiterin einen Händedruck an die linke Nachbarin und sagt dabei „Whiskymixer“. Diese leitet den Impuls an ihren linken Nachbarn weiter. Immer wenn der Impuls nach links geht, wird „Whiskymixer“ gesagt.
  • Wenn das für alle klar ist, wird noch der „Messwechsel!“ eingeführt: Jetzt geht der Impuls genau andersherum weiter, in diesem Fall wieder nach rechts. Dabei wird „Wachsmaske“ gesagt. Immer wenn es jemandem in den Sinn kommt, „Messwechsel“ zu sagen, geht der Impuls wieder zurück in die andere Richtung mit dem jeweils passenden Wort.
  • Das ist artikulatorisch schon sehr lustig und reicht für die meisten Chöre aus, um wieder Energie zu bekommen. Bei Jugendchören kann noch eine „Bestrafung“ für zu spätes Reagieren eingeführt werden, z.B. einmal um den Kreis laufen oder die Position um 5 Personen nach rechts verschieben o.Ä.
  • Erfahrungsgemäß läuft allerdings der Impuls irgendwann nur noch zwischen wenigen Personen hin und her. Da kann es helfen, einen zweiten und dritten Impuls loszuschicken.
  • Natürlich „überlagern“ sich die Impulse irgendwann oder bleiben irgendwo hängen. Da wird das Chaos perfekt. 😊

Ich habe nichts davon selber erfunden. Da ist nichts Neues dabei. Aber eine kleine Notfalltasche sollte jeder Chorleiter immer dabeihaben. Viel Freude beim Ausprobieren! 🙂

Ich bin Sandra, Chorleiterin und Coach.

Mit meinen Coachings und Chor-Seminaren geht es mir darum, eine Chorkultur voller Sicherheit, Freude und Kreativität zu schaffen.

Chorleiterin Sandra Lücke

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