Meine Chor-Hacks:

Simplify my rehearsal – Wie ich mir das Leben leichter mache

Inhalt

Am Probenbeginn die Stimme schonen

Nicht von mir, aber sehr effektiv: ich spreche nicht am Anfang der Probe, sondern beginne mit einer Body-Percussion, um auf mich aufmerksam zu machen. Wenn alle dabei sind, begrüße ich sie kurz und gehe direkt ins Einsingen.

👏🏻Wir klatschen 1 – 3 – 5 -7 – 9 auf Zuruf:

  • 1: in die Hände klatschen
  • 2 und 3: re H legt sich auf den li Brustkorb, li H legt sich auf den re Brustkorb, übereinander
  • 4 und 5: re H zieht vom Oberkörper runter und patscht auf die re Hüfte, li H auf die li Hüfte
  • 6 und 7: re H patscht auf die re Pobacke, li H auf die li Pobacke
  • 8 und 9: re Fuß stampft und li Fuß stampft

Natürlich fangen wir immer mit der 1 an. Für alle Neulinge üben wir dann die 3 (1-2-3) ohne Pause als Schleife, erweitern zur 5 (1-2-3-4-5) ohne Pause, zur 7 und zur 9. Irgendwann rufe ich nur noch „5!“ – es wird solange die 5 wiederholt, bis ich eine neue Zahl reinrufe. Ich denke dabei in gemächlichen Vierteln, die nach und nach schneller werden.

  • 11: wie die 9 plus 2 x in die Hände klatschen vor dem Körper (wie bei der 1). Allerdings verhalten sich die ZZ 1-8 wie Achtel zu 9, 10 und 11, danach eine Viertel-Pause – und Neubeginn mit der 1: 12345678|9-10-11—|12345678|9-10-11—|…
  • Oft lassen wir die 11 auch einfach weg, um die Aufmerksamkeit auf Zuruf zu trainieren.
  • Ihr könnt die 11 aber auch als Kanon klatschen, je nach Leistungsfähigkeit eures Chores.

Bilder

Es gibt Menschen, die kommen mit technischen Anweisungen sehr gut zurecht. Ich nicht. Ich brauche Bilder. Und gern welche, die emotional aufgeladen sind. Deshalb arbeite ich auch sehr viel mit ihnen. Das macht Spaß! Wenn wir uns wie Balu, der Bär, an einer Palme schuppern oder wie eine Elfe über die Wiese tanzen – auch mit Einlagen und Stützstrümpfen. Wir sind da in meinen Chören sehr kreativ! 😎

Vielleicht ist das eine oder andere Bild dabei, das euch auch helfen kann. Viel Freude beim Ausprobieren!

Leichtigkeit, Erleichterung, Überraschung

  • Im Topf kocht das Wasser, dann hebe ich den Deckel und der Druck kann raus.
  • „Und plötzlich geht die Sonne auf“ – Leichtigkeit nach oben 🌤️
  • „Da bekommst du überraschend einen Blumenstrauß unter die Nase gehalten.“ 💐
  • Magie, Staunen, Polarlichter
  • Ich bin Mama- oder Papa-Engel und hebe mit gestrecktem Nacken, leicht vornüber gebeugt die Töne (Kleinkind-Engel) liebevoll/tröstend zu mir auf den Arm: „Ach komm. Wir haben schon so viel geschafft. Diese Töne schaffen wir auch noch.“
  • Ich tanze leicht wie ein Kleinkind über die Wiese mit weißem Kleidchen und Blumenkranz im Haar. Die Sonne scheint, der Himmel ist blau.

Energetisierte Offenheit

  • Staunen bei Polarlichtern
  • Freude, Verbundenheit mit dem Göttlichen,
  • Ehrfurcht

Schwere, Erdung

  • „Balu der Bär“ mit Körperschwerpunkt bei den Knien
  • „Maori-Haka-Move“: Hebe das rechte Bein locker hoch, drehe es in der Hüfte nach außen, lass es schwer auf den Boden fallen und rufe voller Inbrunst und Kraft „Ha!!!“. Dann das linke Bein genauso.

Damit Töne nicht zu schwer nach unten fallen

  • „Wäscheleine“: Meine imaginäre Wäscheleine ist auf Augenhöhe gegenüber von mir festgemacht. Von hier aus schaue ich also von oben und lasse die Töne an der Wäscheleine nach unten, kann sie aber sofort wieder mit Leichtigkeit hochholen.
  • „Ende der Achterbahn“: Ich fange die Töne achtsam unten auf und führe sie gut geleitet weiter, wie am Ende einer Achterbahn.

Lautstärke-Stufen im Körper verankern

Ich gebe den Sänger*innen einen Ton auf einem einheitlichen Vokal und bitte sie, ihn in einer angenehmen subjektiven mittleren Lautstärke zu singen. Dann frage ich sie:

Wie fühlt sich dein Körper mit dieser Lautstärke an?

Und wo genau ist dieses Gefühl am meisten zu spüren?

Die Sänger*innen sollen sich selbst diese Fragen beantworten.

Ich als Chorleiter*in definiere für die meisten Sänger*innen damit eine „3“ (mp).

Das ist mein Mezzopiano mp

Wichtig: Feedback von mir an einzelne Sänger*innen

Es ist wichtig für die Sänger*innen, von mir ein Feedback zu bekommen, weil sie sich in der Masse vielleicht nicht gut einordnen können. Bei sehr lauten Stimmen sage ich: „Das ist für mich schon eine 4. Wir brauchen aber eine gemeinsame 3. Versuch mal, ein bisschen leiser zu singen. (Bis es passt.) Wie fühlt sich das für Dich jetzt an? Und wo? Kannst Du das speichern als 3?“ Bei sehr leisen Stimmen genau anders – die müssen vielleicht eine Lautstärkestufe mehr singen. Aber auch hier braucht es das Gefühl im Körper für die geforderte 3, die in ihrer subjektiven Wahrnehmung vielleicht schon eine 4 ist.

Der körperliche Anker

Wichtig ist, dass die Sänger*innen einen körperlichen Anker, also eine Orientierung im Körper haben, wie sich die 3 anfühlt. Dann können sie eine 4, 5, 2, 1 besser einschätzen.

Ich lege als Chorleiter*in also die 3 des Chores fest. Von da aus kann ich mit meinen Fingern zeigen, welche Lautstärke ich haben will – auch für einzelne Stimmgruppen im Konzert.

Ich kann crescendo und decrescendo genau anzeigen, habe eine Skala, auf der sich alle zurechtfinden können, z.B.: „An dieser Stelle bitte ein Crescendo von der 2 zur 3, nicht zur 5!“ Oder, was noch viel häufiger passiert: „Das Decrescendo bitte über die 4 Takte homogen, nicht gleich von der 5 zur 2 und dann zur 1. Ich zeige es euch an.“

Die Skala von 1 bis 5

Meistens reichen uns die Zahlen 1 bis 5:

1 = pp

2 = p

3 = mp

4 = mf

5 = f

6 = ff hat oft weniger mit dem Körperbewusstsein der Lautstärke zu tun als mehr mit einem guten Twäng, der die 5 verstärkt.

Auch wenn das dilettantisch und nicht musikalisch-künstlerisch wertvoll anmutet – mir und meinen Chören hilft das ungemein! Das ist ein Handwerkszeug, das von dem „Majestätischen der Hohen Kunst“ entmystifiziert ist und spontan helfen kann, die Lautstärke des Chores geführt zu regeln.

Hast du noch andere Bilder oder Hacks?

Ich freue mich über viele Impulse!

Schreib mir gerne: info@sandra-luecke.de

oder besuche mich auf meiner Webseite: www.sandra-luecke.de

Ich bin Sandra, Chorleiterin und Coach.

Mit meinen Coachings und Chor-Seminaren geht es mir darum, eine Chorkultur voller Sicherheit, Freude und Kreativität zu schaffen.

Chorleiterin Sandra Lücke

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