Dem Negativen etwas Positives entgegensetzen

Wie wir mit jeder Probe die Welt ein kleines bisschen besser machen
Wohlfühlen im Chor

Inhalt

Singen ist gesund und tut gut

Das wissen alle Sänger*innen auch ohne die schon wissenschaftlich belegten Untersuchungen. Laut der Studie des BMCO aus dem Jahr 2025 (https://bundesmusikverband.de/zahlen/#Choere-anker) singen 1,4 Millionen Menschen in einem Chor. 1,4 Millionen Menschen gehen energiegeladen und mit dem Gefühl, dass sie sich etwas Gutes getan haben, aus jeder Chorprobe. Wie oft habe ich den Satz gehört: „Bin ich froh, dass ich nicht auf dem Sofa geblieben, sondern doch noch zur Probe gegangen bin“ und habe dabei in aufgeweckte Augen und vor Freude strahlende Gesichter gesehen.

Positive Energie für die Chorleitung

Und auch ich als Chorleiterin freue mich seit ein paar Jahren auf jede Probe und bin dankbar für die tolle Arbeit, die wir als Chor dort leisten. Auch ich gehe voller Freude nach Hause. Klar, ich habe körperlich und musikalisch aber auch sozial und besonders selbstreflektorisch viel dort geleistet und bin einerseits glücklich erschöpft wie nach einer Sporteinheit, andererseits aber voll von tollen Erfahrungen, erreichten (Etappen-) Zielen und erfüllt von dem Gefühl der Verbundenheit mit den Menschen, die mit mir das alles erleben wollen.

Das Negative kennen wir auch

  • „Oh nein! Ich muss gleich schon wieder zur Probe! Ich will nicht!“
  • „Ich habe einfach keine Idee mehr für diesen Chor!“
  • „Gerade ist alles nur zäh und schwierig.“

Es gab Zeiten, in denen ich so überfordert war, dass mir die Chöre keine Freude mehr gemacht haben. Das lag zum einen an meiner privaten Situation, die von einem Schicksalsschlag und einem Alltag mit vier Kindern, Selbstständigkeit und Mental Load geprägt war, zum anderen aber auch an den Situationen bei den Chören selbst:

Unten drunter lief ein ganz anderer Film

Da gab es Querelen unter den Sänger*innen, Übergriffe in meinen Kompetenzbereich, schwierige Situationen, die mich so beeinflusst hatten, dass ich meine Probenarbeit auf sie ausgerichtet habe. Ich fühlte mich dem hilflos ausgeliefert. Bis mein Therapeut sagte:

„Frau Lücke, die Chöre sind ihre Oasen. Räumen Sie dort auf, damit das auch so bleibt.“

Eine neue Haltung

Das habe ich getan. Es hat ein bisschen Zeit, neue Vorbilder, eine systemische Ausbildung und therapeutische Begleitung gebraucht, bis ich mein Mindset geändert hatte, meine Haltung gefunden und meine Bedürfnisse klar erkennen und durchsetzen konnte.

Meine Oasen blühen jetzt

  • Ich bekomme mindestens so viel zurück, wie ich investiere. Und ja, ich investiere sehr viel. Aber der Output ist es wert.
  • In den Proben und bei den Konzerten fühlen wir uns alle wohl und können befreit singen, musizieren und ich dirigieren.
  • Wir fühlen uns miteinander verbunden. Auch ich als Chorleiterin.
  • Wir können alle gut für uns selbst sorgen. Niemand muss sich um jemand anderen kümmern, es sei denn, es gibt dafür einen Kontrakt, z.B. für Barrierefreiheit sorgen.
  • Wir sind als Chor viel lebendiger und begeistern das Publikum.
  • Wir freuen uns auf jede Probe.

Es geht um Bedürfnisse

Dass das Singen im Chor gesund ist, hat nicht allein mit dem Vorgang des Singens zu tun.

Es geht hier um Bedürfnisse, die wir uns erfüllen können:

  • Das Bedürfnis nach Entspannung, Abschalten und Erholung
  • Das Bedürfnis nach persönlichem Ausdruck: Ich möchte meinen Gefühlen Ausdruck verleihen, traue mich das aber oft im Alltag nicht. Weil es nicht erwünscht ist. Beim Chor ist das aber möglich und sogar gefordert, wenn es ein Chor ist, dessen Chorleiter*in Wert auf authentische Bühnenpräsenz legt.
  • Das Bedürfnis nach Verbundenheit, Eingebundensein, Dabeisein: Jeder Mensch möchte in individueller Ausprägung Teil einer Gemeinschaft sein. Der Tanz zwischen den Polen „individuelle Freiheit“ und „Verbundenheit“ prägt unser Leben. In einer Chor-Oase können wir beides haben, wenn die Grundhaltung der Gruppe das zulässt.
  • Das Bedürfnis nach Sinn und Zielen: wir stecken uns hoffentlich gemeinsam Ziele und wollen sie auch erreichen – ein fantastisches Konzert, ein Projekt, eine Reise usw. Wir wünschen uns alle, dass wir wachsen, uns weiterentwickeln, mit Ehrgeiz hoch gesteckte Ziele erreichen. Das Beste: wir schaffen das auch!

Wenn wir es schaffen, den Umgang im Chor, die Chor-Kultur, so zu prägen, dass alle Sänger*innen und die Chorleitung in ihren Bedürfnissen wahrgenommen und unterstützt werden, dann kommen sie nicht nur gerne wieder –

Dann schaffen wir einen sicheren Ort, an dem Wertschätzung, Augenhöhe, Toleranz und Vertrauen möglich sind.

Wir schaffen einen sicheren Ort

Das ist weitaus mehr, als nur singen!

Wo finden wir denn noch solche sicheren Orte?

Wo dürfen wir unseren innersten Gefühlen Ausdruck verleihen und uns verletzlich zeigen, ohne Angst haben zu müssen, dass wir abwertend behandelt werden (könnten)?

Es geht hier um Kunst und Kultur, um Schöpfungen und Ausdruck unserer Persönlichkeit, um Kreativität und Höchstleistung im Rahmen unserer Fähigkeiten.

Das braucht einen sicheren Ort!

Wir Chorleiter*innen können den herstellen.

Wir – die wir mit einer Gruppe Kunst schaffen – sind der längste Hebel, an dem angesetzt werden kann, um sichere Orte zu erschaffen.

Weil wir die zentralen Personen sind.

Weil wir darauf angewiesen sind.

Aber wer lernt das in der Ausbildung oder im Studium?

Und wer ist sich dieser Dimension bewusst?

Ein Bewusstsein schaffen für die Chancen und Dimensionen

Der sichere Ort hat auch eine soziale und eine politische Dimension

Hier werden freiheitlich demokratische Werte gelebt. Hier geht es um eine zeitlich und räumlich begrenzte aber reale und gelebte Utopie: gewaltfrei, tolerant, kreativ. Damit können wir dem Empfinden von privater Überforderung aber auch gesellschaftlicher Ohnmacht und dem überwältigend Negativen in der Welt etwas entgegensetzen:

Im Chor finden wir die Oase, die uns wieder bemächtigt und unsere Ressourcen auffüllt.

Damit wir positiver in die Welt gehen und etwas zum Guten verändern können.

Chöre können Oasen für alle sein!

Ich bin Sandra, Chorleiterin und Coach.

Mit meinen Coachings und Chor-Seminaren geht es mir darum, eine Chorkultur voller Sicherheit, Freude und Kreativität zu schaffen.

Chorleiterin Sandra Lücke

Lies gleich weiter: